Die Hände hinter den Stücken
Eine Restauratorin, die alten Möbeln zuhört, bevor sie sie wieder zum Leben erweckt.
Vom ersten Hobel bis zum eigenen Atelier
Mein Name ist Henrike von Prüll, und ich arbeite mit Möbeln, die schon ein Leben hinter sich haben. Aufgewachsen bin ich im Geruch von Leinöl und frisch gehobeltem Holz, in der Werkstatt meines Großvaters, der Tischler war. Dort habe ich gelernt, dass ein Stück Holz nicht einfach Material ist, sondern eine Geschichte aus Wuchs, Witterung und Gebrauch.
Nach meiner Ausbildung zur Tischlerin und mehreren Jahren bei einem Restaurator für historische Möbel habe ich mich selbstständig gemacht. Was als Leidenschaft für alte Hölzer begann, ist heute mein Handwerk: Ich nehme antike und Vintage-Stücke an, die andere bereits abgeschrieben haben, und arbeite sie von Hand wieder auf.
Mich interessiert nicht das Perfekte, sondern das Ehrliche. Eine abgeschliffene Kante, eine nachgedunkelte Eiche, der weiche Glanz einer von Hand geölten Platte. Jedes Stück, das mein Atelier verlässt, ist ein Unikat mit Vergangenheit und einem zweiten, langen Leben vor sich.
Was sich über die Jahre angesammelt hat
„Ich repariere keine Möbel. Ich gebe ihnen die Zeit zurück, die man ihnen genommen hat.“
Wonach ich arbeite
Drei Überzeugungen, die jede Aufarbeitung leiten.
Materialehrlichkeit
Ich verstecke nichts. Massivholz bleibt Massivholz, eine alte Reparatur darf sichtbar bleiben. Ich arbeite mit natürlichen Ölen, Wachsen und Schellack statt mit Lacken, die das Holz ersticken. So bleibt die Oberfläche atmend, fühlbar und reparierbar.
Geduld
Gutes Aufarbeiten lässt sich nicht beschleunigen. Holz braucht Zeit zum Trocknen, Leim zum Binden, Öl zum Einziehen. Ich plane in Wochen, nicht in Stunden, und höre erst auf, wenn ein Stück sich richtig anfühlt.
Verantwortung
Jedes Möbel, das wieder in Gebrauch kommt, ist eines, das nicht neu produziert werden muss. Ich kaufe regional an, verwende vorhandene Substanz weiter und denke Nachhaltigkeit nicht als Etikett, sondern als Grundhandwerk.